Drei Jahre MOAS: Welche Bedeutung haben Rettungsorganisationen für dich?

Bei unseren Rettungsmissionen treffen wir Menschen, für die das Überqueren des Mittelmeers nur einen kleinen Teil ihrer Reise darstellt. Anlässlich unseres dreijährigen Jubiläums haben wir mit einigen Migranten gesprochen, die wir in den letzten Jahren gerettet haben, um zu erfahren, wie sich ihr Leben seitdem entwickelt hat und was ihr Zusammentreffen mit Such- und Rettungsorganisationen wie MOAS für sie heute bedeutet.

Samuel kommt aus Eritrea und wurde 2016 gerettet. Nun lebt und studiert er in der Schweiz.

Wie stehst du zu Rettungsorganisationen?
„Ich bin wirklich sehr froh über die Arbeit von MOAS, und wenn es das Rettungsteam nicht gäbe, wäre das Mittelmeer ein Grab für noch viele weitere tausende Menschen. Neulich hat mein kleiner Bruder mir erzählt, dass er nach Europa kommen will, weil er Angst vor dem Militärdienst in Eritrea hat. Ich habe ihm gesagt: ‚Das ist gefährlich, ich bin fast ertrunken. Jede Minute, jeden Tag sterben Menschen.’ Er sagte: ‚Ich werde mein Glück versuchen.’ Erst dachte ich: Ok, wenn es die Retter nicht gäbe, hätte er diese Gedanken nicht gehabt. Aber wenn es die Retter nicht gäbe, wären die Leute dort sowieso alleine auf dem Meer. So viele sind über das Mittelmeer gefahren und von eurem Team gerettet worden.”

Wie sieht dein Leben jetzt aus?
„Jetzt kann ich in der Schweiz überall hingehen, ohne irgendwelche Papiere, auf denen steht: ‚Dieser Mann hat bereits seinen Militärdienst abgeleistet, lassen Sie ihn passieren’, wie es in meinem Land ist. Ich kann sagen, was ich sagen möchte, gut schlafen, in Sicherheit leben, mir eine Zukunft aufbauen. Ich lerne Deutsch – nach sechs Monaten bin ich schon auf A2-Niveau. Das einzige Problem ist, dass du hier immer etwas in der Luft hängst, weil es nicht leicht ist, Asyl zu bekommen. Es dauert zwei Jahre, und dann akzeptieren sie dich vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Und dann fängst du wieder ganz von vorne an als Flüchtling zu leben. Ich weiß nicht wirklich, was ich machen werde, bis meine Papiere da sind, aber wenn ich sie bekomme, möchte ich versuchen, an der Universität Jura oder Politikwissenschaften zu studieren. Ich bin fest entschlossen, ein erfolgreicher Flüchtling zu werden.”

Souleymane kommt aus dem Senegal und lebt nun in Italien. Er wurde 2016 von MOAS gerettet.

Was bedeuten dir Rettungsorganisationen?

„Die Rettungsorganisationen bedeuten mir so viel in meinem Leben. Für mich verbessern die Organisationen die Welt, indem sie Tausende von Leben retten, auch Frauen und Kinder. Das Wichtigste ist, dass man nicht weiß, welche Bedeutung diese Kinder in der Zukunft haben werden – für die Entwicklung eines bestimmten Landes oder indem sie Familien aus einer schwierigen Lage in ein besseres, sichereres Leben führen.

Möchtest du den Menschen, die dich gerettet haben, irgendetwas sagen?

„Noch einmal vielen Dank dafür, MOAS, dass ihr es Menschen erlaubt, ein neues Leben zu beginnen! Und ich möchte auf jeden Fall Allah für alles danken. Ich habe noch keinen Job gefunden, aber ich bin überglücklich, in einem Teil der Welt zu sein, von dem ich immer geglaubt habe, dass ich dort Erfolg im Leben finden würde.”

Amira und ihre Töchter Ayesha and Aliah aus dem Sudan leben seit ihrer Rettung durch MOAS im Jahr 2016 in Italien.

Wie geht es euch?
Amira: „Uns geht es gut, weil ihr so viel für uns getan habt. Ich will euch alle grüßen, ihr wart so wichtig für uns, ich werde euch nie vergessen. Dank euch sind wir am Leben. Unser neues Leben in Italien ist gut: Die Kinder sind sehr glücklich, sie spielen, sie haben nie Angst. Sie gehen in die Schule und ich werde vielleicht anfangen, für eine ältere Dame zu arbeiten. Ich lerne Schritt für Schritt Italienisch, das geht natürlich nicht mal eben so nebenbei. Die Kinder haben es aber schnell gelernt, für sie ist es schon wie Arabisch, sie sprechen alle Italienisch.”

Wie ging es dir während der Rettung?
Amira: „Der Moment der Rettung ist etwas, das du nicht vergessen kannst. Wirklich, selbst die Kinder haben es nicht vergessen. Sie dachten, dass es die libysche Küstenwache sei und dass sie uns zurück nach Libyen ins Gefängnis bringen würden… Also habe ich ihnen gesagt: ‚Das sind keine libyschen Boote, das ist ein Rettungsteam aus Europa!’ Da hatten sie keine Angst mehr. Sie waren so glücklich, als sie gemerkt haben, dass es ein Rettungsschiff ist. Wenn ihr uns besuchen kommt, mache ich euch ein besonderes sudanesisches Abendessen.”

Möchtest du den Menschen, die euch gerettet haben, irgendetwas sagen?
Amira: „Friede sei mit ihnen, ich möchte ihnen wirklich danken! Unsere Lage war sehr schlecht, bevor sie uns gerettet haben – das Boot war kurz davor zu sinken. Sie haben unser Leben gerettet, ich bin ihnen unendlich dankbar dafür. Die Lage auf dem Boot war schlimm, wir wären gestorben, wenn sie nicht gekommen wären.”

Ayesha: „Danke an euch alle, die ihr dort arbeitet und uns geholfen habt. Die Schule läuft gut, wir haben jetzt Ferien. Meine Lieblingslehrerin ist Frau Maria Amore, sie ist super. Mein italienisches Lieblingsessen ist Pizza mit Kartoffeln! Ich war mit meinen Schulfreunden in einer Pizzeria und habe Pizza gegessen. Ich erinnere mich an die Leute, die uns gerettet haben, die auf dem Schiff waren. Sie waren sehr nett. Ich danke ihnen für ihre Hilfe, und sie sollen so weitermachen!”

Wenn Sie MOAS unterstützen möchten und dabei helfen wollen, Leute wie Samuel, Souleymane und Amira zu retten, spenden Sie, was immer Sie mögen, oder helfen Sie auf unserer Spendenplattform dabei, Spenden zu sammeln.

Wenn Sie mehr über unsere Mission und die Geschichte von MOAS erfahren wollen, können Sie hier eine Dokumentation über unsere Arbeit sehen. Und wenn Sie gerne weiterhin über unsere Rettungsmissionen informiert bleiben und Neuigkeiten rund um Migrationsthemen erfahren möchten, abonnieren Sie unseren Newsletter am unteren Ende dieser Webseite oder folgen Sie uns auf Social Media.

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