Tote vermeiden und zum Handeln aufrufen an der tödlichsten Grenze der Welt: MOAS rettet 10.000 Leben im ersten Jahr

Seit der Gründung vor genau einem Jahr hat die Migrant Offshore Aid Station (MOAS) wesentlich dazu beigetragen, dass Leben in einer der schlimmsten maritimen Flüchtlingskrisen gerettet wurden, die die Welt jemals gesehen hat und gleichzeitig andere angeregt, es ihnen gleich zu tun.

Mehr als 10.000 Männer, Frauen und Kinder wurden von der Migrant Offshore Aid Station (MOAS) aus Seenot gerettet; MOAS rettete am 30. August vor einem Jahr als Europas erster privat finanzierter Such- und Rettungsdienst das erste Leben.

Am Donnerstag, dem 27. August, starben um die 200 Menschen, als ein Boot mit Ziel Italien vor der libyschen Küste sank. Am selben Tag, wurden von den österreichischen Behörden mehr als 70 Leichen in einem Lastwagen auf der Autobahn zwischen Österreich und Ungarn entdeckt.

Dies sind nur die jüngsten Zahlen von der Flüchtlingskrise an Europas Grenzen.

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Die Realität ist bedrückend. Allein dieses Jahr verloren 2.500 Menschen ihr Leben auf See, ein trauriger Rekord. Es hätten 20.000 Menschen ihr Leben bei dem Versuch, Europas Küsten in unsicheren Booten zu erreichen, verlieren können.

MOAS, der erste privat finanzierte Such- und Rettungsdienst, ist seit 2014 an vorderster Front im Krisenherd Mittelmeer aktiv. MOAS, angedacht bevor und gegründet direkt nach der italienisch finanzierten Operation Mare Nostrum im Oktober 2013, hat seitdem mit sämtlichen Wasserfahrzeugen und unter der Koordinierung der zuständigen nationalen Leitstellen zur Koordination der Seenotrettung (MRCC) zusammengearbeitet. Bis heute war dies die MRCC in Rom, die von der italienischen Küstenwacht betrieben wird.

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MOAS ist stolz darauf zu sehen, dass seine Bemühungen andere Nicht-Regierungs-Organisationen und Bürgervereinigungen wie Medecins Sans Frontieres und Sea Watch, dazu angeregt hat, ihre eigenen Schiffe für diesen Zweck bereitzustellen. Dies ist ein beeindruckendes Beispiel einer Zivilgesellschaft, die auf ein globales Problem reagiert.

MOAS, eine internationale NRO mit Geschäftssitz in Malta, betreibt das 40 m lange Schiff MY Phoenix, 2 Schiebel Camcopter, zwei Festrumpfschlauchboote und eine 20-köpfige Mannschaft mit Erfahrung in den Bereichen Seefahrt, Rettung, Medizin und Sanitäter. MOAS setzte am 2. Mai 2015 die Segel, nachdem innerhalb von 60 Tagen 3.000 Leben gerettet wurden. Dieses Jahr arbeitet MOAS mit Medecins Sans Frontieres zusammen, die für die ärztliche Versorgung nach der Rettung verantwortlich sind.

Tod und menschliches Leiden vor den Toren Europas eindämmen

Die Menschen, die MOAS im Mittelmeer rettet und unterstützt sind hauptsächlich Flüchtlinge aus Eritrea, Nigeria, Syrien, Somalia und dem Sudan.

Laut der UN, besteht die überwiegende Mehrheit der Leute, die versuchen, Europa mit dem Boot zu erreichen, aus Menschen, die ihr Heimatland aufgrund von Krieg, Gewalt und der Angst vor Verfolgung verlassen. Eine geringere Zahl versucht verzweifelt einer menschenunwürdigen Armut zu entkommen. Dies hat den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) zu dem Schluss veranlasst, dass die Migrationskrise im Mittelmeer in Wirklichkeit eine Flüchtlingskrise ist.

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Aus den Daten und Berichten, die MOAS an Bord der Phoenix erhoben bzw. erhalten hat, wird deutlich, dass alle, die diese gefährliche Fahrt unternehmen, dazu auf die eine oder andere Weise gezwungen sind. Der Hauptteil gibt an, dass sie keine andere Möglichkeit sahen, den Konflikten, Extremistengruppen, Unterdrückungsregimen in ihren Heimatländern auf irgendeine andere Weise zu entkommen.

Seit der Gründung hat die Mannschaft von MOAS vor der libyschen Küste zahlreichen verzweifelten Menschen in stark überfüllten Booten in Seenot geholfen. Diese verzweifelten Menschen sind Opfer von Gewalt und Schleuserei, schwangere Frauen, die oft alleine unterwegs sind, Kinder ohne Begleitung, junge Männer, die vor Zwangsarbeit und -militärdienst fliehen und extremem Elend.

Aufruf zu fortgesetztem kollektivem Handeln

Angesichts der Abertausende, die sich in schäbigen, überfüllten Booten aufmachen, wird die Präsenz von MOAS auf den Meeren immer wichtiger. Wir müssen Such- und Rettungseinsätze durchführen und verletzliche Menschen davor schützen, bei dem Versuch, das sichere Europa zu erreichen, ihr Leben zu verlieren.

Im Zuge des Schiffsunglücks vom April 2015, als ca. 800 Menschen ihr Leben verloren, hat MOAS die Entscheidung der EU begrüßt, die Such- und Rettungsmaßnahmen durch eine Verdreifachung der Gelder für Frontex und deren Mandatserweiterung zu verstärken.

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MOAS freut sich auch, dass es den Weg für eine Zusammenarbeit von anderen unabhängigen Organisationen und EU-Mitgliedsstaaten ebnen konnte und die Kräfte vereinen konnte,um den Verlust von Leben auf See einzudämmen. Das Resultat dieser Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Such- und Rettungseinsätzen ist, dass die Zahl der Todesopfer in den Monaten Mai und Juni drastisch zurückgegangen ist.

Die neuesten Tragödien zeigen jedoch deutlich, dass unsere Möglichkeiten auf dem Meer und die Bemühungen die Menschen zu retten nicht ausreichend sind und dass die maritime humanitäre Krise noch lange nicht vorüber ist.

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Zwischen Juli und August 2015 starben mehr als 700 Menschen, als ihr Boot vor der libyschen Küste kenterte und viele erstickten, weil sie im Unterdeck eingeschlossen waren. Dies ist eine grausige Erinnerung daran, dass Menschen trotz der unmenschlichen Bedingungen bereit sind, diese Fahrten zu unternehmen und ihr Leben zu riskieren, um ein sicheres Land zu erreichen.

So lange Tausende von Menschen glauben, dass sie keine andere Wahl haben, als eine solch gefährliche Überfahrt zu wagen, fordert MOAS von Entscheidungsträgern, SAR ganz nach oben auf ihre Agenda zu setzen. Kollektives humanitäres Handeln auf See – von Regierungen, nicht-staatlichen Organisationen, privaten Initiativen – ist weiterhin lebenswichtig.

Humanitäre Innovation

MOAS leistete durch die Kombination von humanitärem Handeln und professionellen Such- und Rettungsaktionen und der dazugehörigen Technologie, Pionierarbeit. Das Team setzt sich aus einer vielfältigen und internationalen Gruppe gleichgesinnter dem humanitären Gedanken verschriebenen Menschen zusammen: Ex-Militärs, ausgebildeten Such- und Rettungsoffiziere, Seeleute, Sanitäter und Freiwillige, die glauben, dass niemand es verdient hat, auf See zu sterben.

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Die Verwendung der neuesten Technologie hat entscheidend dazu beigetragen, das Todesrisiko für Tausende von Menschen zu minimieren. Drohnen oder unbemannte Luftfahrzeuge (Schiebel Camcopter S-100) ermöglichen fundierte Entscheidungen, da sie visuelle Echtzeitaufnahmen von betroffenen Schiffen liefern. Aus meilenweiter Entfernung ist MOAS in der Lage, die Größe und den Zustand des Bootes, die Zahl der Menschen auf dem Boot und den jeweiligen Seegang zu bestimmen.

Dank der Bilder der Drohnen, war MOAS auch in der Lage, der italienischen Küstenwache bei der Ortung von Booten in Seenot zu helfen und die Rettungsmaßnahmen zu beschleunigen.

SCHIEBEL On Board Camera

MOAS verfügt dank Innovation, Schnelligkeit und Kosteneffizienz über eine bemerkenswert erfolgreiche Bilanz bei der Bewältigung einer komplexen und gefährlichen humanitären Anstrengung. Bis heute ertranken während einer Rettung keine Migranten oder wurden verletzt.

 

MOAS braucht finanzielle Unterstützung, um weiterhin weltweit Leben zu retten

MOAS, die erste privat finanzierte nicht-staatliche Such- und Rettungsorganisation im Mittelmeer, war die Idee des amerikanischen Philanthrophen Christopher Catrambone und seiner Frau Regina Catrambone, die mehr als € 8 Millionen in das Projekt investiert haben.

Die Mission im Jahr 2014 war die Machbarkeitsstudie. Im vergangenen Jahr rettete MOAS im Laufe von 60 Tagen 3.000 Migranten, wovon die meisten syrische Flüchtlinge waren. Seitdem MOAS seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, schlug MOAS eine unglaubliche Welle der Unterstützung von Menschen auf der ganzen Welt entgegen, die sich geweigert haben, sich zurückzulehnen und verzweifelten Menschen beim Ertrinken zuzusehen.

MOAS hat direkte finanzielle Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen (MSF) erhalten. Diese Partnerschaft hat nicht nur die Versorgung der Menschen nach der eigentlichen Rettung drastisch verbessert, sondern auch dazu beigetragen, sicherzustellen, dass die Phoenix draußen auf dem Meer ist und Menschen aus Seenot retten kann.

Auch die öffentliche Unterstützung für MOAS ist in den letzten Monaten drastisch angestiegen – es wurden fast € 1,5 Millionen innerhalb weniger Wochen gespendet. Die größte individuelle Spende kam vom Drohnenbetreiber Schiebel, der kostenlos zwei Drohnen und Personal für zwei Monate (September und Oktober) im Werte von € 600.000 zur Verfügung stellte.

Die Avaaz.org Community hat auch Gelder in Höhe von € 500.000 durch einen Online-Aufruf an seine große Mitglieder-Datenbank aufgebracht. Tausende auf der ganzen Welt haben auf ihren Aufruf reagiert und einmal mehr die Entschiedenheit und Fähigkeit von Avaaz zu handeln und die gute Sache zu unterstützen, gezeigt.

Eine Spendenaktion in Deutschland brachte zusätzliche € 250.000 dank einer Anstrengung der Erzdiözese Köln, der Caritas und dem überzeugten Menschenretter Rupert Neudeck.

Finanzielle Unterstützung kam auch von einzelnen Philanthrophen, die, genau wie die Familie Catrambone, nicht einfach nur zusehen wollten, wie die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Der Deutsche Jürgen Wagentrotz, ehemals selbst Flüchtling, wird bis Ende Oktober € 180.000 spenden. Die Summe wird von dem Unternehmen Oil and Gas Invest, dem er vorsteht, verdoppelt.

Die Welt steht vor der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg: 60 Millionen Menschen werden gegen ihren Willen aus der Heimat vertrieben. Dies ist nicht nur ein europäisches Problem, dies ist ein komplexes globales Problem, das eine globale Lösung erfordert. MOAS ruft Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Privatbürger zur Zusammenarbeit auf, um der humanitären Katastrophe vor unserer Haustür ein Ende zu bereiten. Gemeinsames Handeln kann Leben retten.

MOAS wird bis Ende Oktober im Mittelmeer tätig sein. Der Plan von MOAS, die humanitäre Hilfe rund ums Jahr aufrecht zu erhalten und sie auf globaler Ebene fortzusetzen, hängt ausschließlich von Spendengeldern ab.