MOAS im Jemen: Hungerhilfe und medizinische Versorgung

Der Konflikt im Jemen dauert mittlerweile vier Jahre an – und damit auch die weltweit schlimmste humanitäre Krise. Obwohl oder gerade weil der nicht enden wollende Krieg den Zugang zu humanitärer Hilfe weiterhin beschneidet, ist es umso wichtiger, die Anstrengungen, jede erdenkliche Hilfe zu leisten, trotz der Unruhen beizubehalten. In diesem Monat hat MOAS gemeinsam mit dem Medikamentenhilfswerk action medeor, der Stiftung Aktion Pro Humanität, der Stiftung der Familie Seibt aus Wesel-Flüren (Grav Insel) und ADRA eine weitere Mission gestartet, die der ärmsten der arabischen Nationen pharmazeutische Versorgung und Hungerhilfe bringen soll.

Während dieser Bericht entsteht, befinden sich ein 12m-Container mit Nahrungsergänzungsmitteln sowie ein 6m-Container mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung auf dem Weg zum jemenitischen Hafen Aden. Wenn sie ankommen, werden diese Hilfsgüter mithilfe von MOAS‘ Partnerorganisation im Jemen, ADRA, an die Verteilstellen für medizinische Grundversorgung und Nahrungsmittel gegeben. ADRA ist eine internationale humanitäre Organisation, die seit 1995 im Jemen arbeitet und derzeit in acht Gouvernements aktiv ist.

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Den Hunger bekämpfen

Etwa 15,9 Millionen Menschen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Jemen – sind von Nahrungsmittelknappheit bedroht. In den letzten drei Jahren sind schätzungsweise 85.000 Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung gestorben. Die von MOAS geschickten Mittel gegen die Hungersnot sind daher ein entscheidender Faktor.

Unsere Produkte stammen von Edesia, einem US-basierten Lebensmittelkonzern, der spezialisierte Fertignahrung herstellt. Wir freuen uns darüber, bei dieser Mission mit Edesia zusammenarbeiten zu können, und sind stolz darauf, dass Edesia bereits 27 Tonnen Portionsbeutel mit kalorienverdichteter Nahrung in den Jemen geschickt hat, die speziell für den Einsatz in Programmen gegen Unterernährung bei Kindern konzipiert ist. Diese Lieferungen verdanken wir vor allem zwei Großspendern: unseren langjährigen Unterstützern Ed und Barbara Shapiro sowie dem Ruth and Hal Launders Charitable Trust.

Bei den verschickten Fertignahrungsmitteln handelt es sich um Beutel mit Nutriset‘s Plumpy Doz. Plumpy Doz ist ein vorbeugendes, flüssigkeitsbasiertes Nahrungsergänzungsmittel für Kinder im Alter ab sechs Monaten, bei denen die Gefahr von Mangelernährung besteht. Es kann zusammen mit der normalen Nahrung genutzt werden. Jeder 50g-Beutel Plumpy Doz liefert essenzielle Nährstoffe, die nötig sind, um eine Mangelernährung bei Kindern zu verhindern, die ihren Kalorien- und Proteinbedarf nicht über ihre herkömmliche Nahrung decken können.

Diese Beutel sind extrem effektiv, wenn es darum geht, das Wachstum und die gesunde Entwicklung von Kindern zu unterstützen und damit Leben zu schützen. Unsere Plumpy Doz-Lieferung wird es Eltern ermöglichen, den Genesungsprozess ihrer Kinder zu Hause zu unterstützen und nicht auf Krankenhäuser und Kliniken angewiesen zu sein, die immer schwerer zugänglich sind. Angesichts von derzeit zwei Millionen akut mangelernährten Kindern unter fünf Jahren im Jemen wird diese Lieferung unserer Ansicht nach ganz unmittelbar Leben retten.

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Lebenswichtige medizinische Hilfe liefern

Unser medizinisches und pharmazeutisches Material wurde von der deutschen Hilfsorganisation action medeor bereitgestellt. Die Medikamente wurden von der 20. Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der sechsten entsprechenden Liste für Kinder ausgewählt und nach Sicherheit, Kosteneffizienz sowie derzeitigem und künftigem Bedarf priorisiert. Zusätzlich zu Medikamenten enthält unsere Lieferung lebenswichtige klinische Ausstattung zur Diagnose, Medikamentengabe, Wundversorgung und Wiederbelebung. Insgesamt umfasst diese Lieferung lebensrettende Medikamente und Ausrüstungsgegenstände im Wert von 126.687 Euro. Die Lieferung dieser Hilfsgüter wurde nur ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von action medeor selbst, sowie der Stiftung Aktion Pro Humanität und der Stiftung der Familie Seitb und vieler weiterer Spender, denen wir sehr herzlich danken.

Medizin und Ausrüstung im Wert von rund 72.000 Euro sind zudem für den Einsatz gegen Müttersterblichkeit eingeplant. Neuesten UN-Erhebungen zufolge verzeichnet der Jemen mit 385 Todesfällen pro 100.000 Geburten eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Region. Weitere 10.000 Euro in Form von Eisen- und Vitaminpräparaten werden Menschen im Jemen helfen, die wegen Mangelernährung an Eisenmangelanämie leiden – rund 86 Prozent der Kinder unter fünf Jahren und 71 Prozent der schwangeren oder stillenden Frauen.

Weitere 10.000 Euro kommen in Form von Mitteln zur Behandlung von Cholera zum Einsatz, beispielsweise Elektrolyte zum Einnehmen, Durchfallmedikamente und Infusionen. Diese Hilfsgüter sind derzeit extrem bedeutsam, denn im Jemen wütet die schlimmste Cholera-Epidemie, die das Land je erlebt hat. Seit Ende 2016 wurden in 306 Distrikten mehr als 1,3 Millionen Koleraverdachtsfälle und fast 2.800 choleraassoziierte Todesfälle gemeldet. Für 2019 wird mit 350.000 Fällen gerechnet. Währenddessen stirbt alle zehn Minuten mindestens ein Kind an vermeidbaren Krankheiten – daher enthält unsere Lieferung auch Antibiotika, Antimykotika und Anthelmintika (Wurmmittel) im Wert von 16.500 Euro. Sie helfen dabei, opportunistische parasitäre und bakterielle Infektionen zu bekämpfen, die bei einer geschwächten Immunabwehr häufig auftreten.

Schließlich enthält unsere Lieferung lebensrettende medizinische Ausrüstung im Wert von 65.000 Euro – wie Stethoskope und Thermometer für Diagnosen, Nadeln und Spritzen zur Medikamentengabe, Verbände für die Wundversorgung sowie Sauerstoffmasken und Kompressionspumpen für die Wiederbelebung.

Was wir bewirken

Mit dieser Mission werden wir gemeinsam mit unseren Partner-Organisationen tausende Menschen erreichen, die dringend auf Nahrungsmittel und medizinische Versorgung angewiesen sind. Unsere Fracht wird dabei helfen, einige der Kämpfe erträglicher zu machen, die die Menschen im Jemen angesichts des bestehenden Konflikts täglich austragen müssen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Lieferung schnelle und weitreichende Ergebnisse erzielen können, und wir sind stolz darauf, die Arbeit unseres Partners ADRA im Jemen unterstützen zu dürfen.

Falls Sie sich für die Arbeit von MOAS interessieren, folgen Sie uns gerne in den sozialen Medien, melden Sie sich für unseren Newsletter an und teilen Sie unsere Inhalte. Sie können uns stets unter info@moas.eu erreichen und wenn Sie unsere lebensrettenden Missionen unterstützen möchten, spenden Sie gerne, was auch immer Sie übrig haben, unter www.moas.eu/de/donate – bewegen Sie noch heute etwas!